SuizidPrävention - Kanton Zürich

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Suizidgedanken und Suizidversuche

Hinter jedem Suizid oder Suizidversuch steht eine persönliche Leidensgeschichte. Man weiss, dass die allermeisten Menschen mit Suizidgedanken nicht sterben möchten, sondern ihr unerträgliches Leid beenden wollen. In ihrer inneren Not sehen sie dabei nur noch den Suizid als möglichen Ausweg. Sowohl akute Krisen (z.B. Trennung, Liebeskummer, Kündigung, Schuld- oder Schamgefühle) wie auch lange bestehende schwere Belastungen (z.B. physische oder psychische Erkrankungen) können dazu beitragen, dass sich jemand das Leben nimmt. In aller Regel gehen Suiziden Suizidgedanken voraus. In seltenen Fällen sind Suizide auch impulsive Kurzschlusshandlungen nach einem belastenden Erlebnis, die ohne Vorankündigung und vorbestehende Suizidgedanken geschehen.

Suizidgedanken sind eine Reaktion auf hohen Leidensdruck

Wenn Menschen über längere Zeit einen hohen Leidensdruck empfinden, dann tauchen häufig Gedanken auf wie: «Wofür lohnt es sich überhaupt noch zu leben?», «Am besten wäre es, nicht mehr da zu sein», «Wenn es mich nicht gäbe, ginge es allen besser.» Menschen mit Suizidgedanken wollen nicht sterben. Sie suchen einen Ausweg aus der Krise. Das eigene Leben zu beenden, erscheint ihnen als (einzig) mögliche Lösung. Das ist eine menschliche Reaktion auf grosses Leid. Als vergleichendes Bild kann man sagen, dass Suizidgedanken zu grossem Leidensdruck gehören können wie Fieber zur Lungenentzündung. Wie bei der Lungenentzündung ist es wichtig, dass man die Symptome behandelt und etwas gegen die Ursachen unternimmt. Suizidgedanken sind gar nicht so selten, wie man vielleicht denkt. Man geht davon aus, dass in der Schweiz etwa 18–40 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens in eine Krise geraten, in der sie auch Suizidgedanken haben.

Suizidversuche sind ernst zu nehmende Warnzeichen

Nur ein kleiner Teil der Menschen mit Suizidgedanken machen auch tatsächlich einen Suizidversuch. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa jede zehnte Person in der Schweiz in ihrem Leben mindestens einen Suizidversuch unternimmt. Zu Suizidversuchen kann es kommen, wenn Betroffene vor lauter Leidensdruck und Hoffnungslosigkeit kaum mehr einen klaren Gedanken fassen können. Denn nicht nur körperliche, sondern auch «seelische» Schmerzen schränken das Denken und Handeln ein – man ist nicht mehr in der Lage, verschiedene Lösungswege ins Auge zu fassen. Darum denken viele Menschen in der suizidalen Krise, das eigene Leben zu beenden sei die einzige Lösung für ihre Probleme. Der Leidensdruck hindert sie daran, Wege aus der Krise zu finden und mit Menschen in Kontakt zu treten, die sie unterstützen könnten. So kann es geschehen, dass auch scheinbar kleine Vorkommnisse einen Suizidversuch auslösen: So wie ein einziger Tropfen ein volles Fass zum Überlaufen bringen kann. Wenn jemand einen Suizidversuch unternimmt, so ist dies immer ein starkes Warnzeichen dafür, dass es dem Menschen nicht gut geht und dass er oder sie Hilfe braucht. 

Vorgeschichten unterscheiden sich – Präventionsmassnahmen auch

Fachleute unterscheiden verschiedene Suizidarten, welchen mit unterschiedlichen Präventionsmethoden begegnet werden kann.

Kurzschlusssuizide: Hierbei stehen akute Krisen im Vordergrund. Sie kommen bei jungen Menschen häufiger vor als bei Erwachsenen und geschehen aus einem Impuls, ohne langes Nachdenken. Häufig auch ohne vorherige Warnzeichen. Geeignete Präventionsmassnahmen zielen auf Zeitgewinn ab (z.B. Methodenrestriktion).

Suizide aufgrund zunehmendem oder wiederkehrendem Leidensdruck: Einschneidende und ausweglose Situationen (z.B. Verlusterlebnisse, schwere körperliche Krankheiten) oder ständig wiederkehrender Leidensdruck (z.B. Wechsel zwischen Verbesserung und Verschlechterung körperlicher oder psychischer Erkrankungen) können zu Suizidalität führen. Als Präventionsmassnahmen eignen sich hier in erster Linie therapeutische Interventionen und Angebote, aber auch die unter Kurzschlusssuizide erwähnten Massnahmen.

Suizide aufgrund chronischer Suizidalität: Bei diesem Typ ist die sogenannte Basissuizidalität sehr hoch und gekennzeichnet durch einen anhaltenden Leidensdruck. Durch psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlungen kann der Leidensdruck und die Basissuizidalität gesenkt werden.

Bilanzsuizide: Suizide nach sorgfältiger und wohlüberlegter Bilanzierung des bisherigen Lebens sind selten. Sie kommen aber im Zusammenhang mit unheilbaren Erkrankungen mit hohem Leidensdruck (z.B. Krebserkrankungen) durchaus vor. Die Arbeit von Sterbehilfeorganisationen ist auf Bilanzsuizide ausgerichtet.

Suizide verhindern ist wichtig

Pro Tag sterben in der Schweiz drei bis vier Menschen durch Suizid. Zwei Drittel davon sind Männer. Mehr zu den Zahlen finden Sie hier. Suizide sind die Folge von grossem persönlichen Leid. Zudem lassen Menschen, die sich das Leben nehmen, immer auch Angehörige und Freunde zurück. Durch Suizide entstehen Trauer, eine grosse Lücke und neues Leid. Der Kanton Zürich setzt sich darum mit einem Präventionsprogramm für die Verhinderung von Suiziden ein.

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