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Direkt nach einem Suizid: Häufige Fragen

Nebst der tiefen Trauer über das unfassbare Ereignis und dem Schock, den die nahen Angehörigen erleben, müssen sie sich unmittelbar nach dem Suizid auch mit einer Reihe praktischer Fragen auseinandersetzen. Auf dieser Seite werden vor allem die rückblickenden Erfahrungen und Ratschläge von anderen Hinterbliebenen zusammengetragen.

Was sage ich meinem Umfeld?

Die Wahrheit ist meistens die einfachste Lösung. Ein Suizid überfordert in der Regel alle Beteiligten und sollte nicht noch durch Notlügen oder bewusste Auslassungen zusätzlich erschwert werden. Auch wirkt man mit der Wahrheit Gerüchten entgegen.

Wie spricht man mit Kindern und Jugendlichen über Suizid?

Bei Kindern stellt sich die Frage besonders, was man ihnen zum Suizid erzählen soll. Auch hier ist es gut, bei der Wahrheit zu bleiben. Wenn man anfänglich zu Notlügen greift, kann das später zu Vertrauensverlust führen. Details sind meistens nicht notwendig. Am besten versucht man entlang der Fragen der Kinder das Geschehene und die Gründe dafür zu thematisieren. So kann man sicherstellen, dass man nicht über das Verständnis des Kindes hinaus geht und es überfordert. Die Broschüre «Den Kindern helfen. Wie Sie Kinder nach einem Suizid unterstützen können» (PDF) für Eltern und andere Betreuungspersonen (Hrsg.: Forum für Suizidprävention und Suizidforschung Zürich & Ipsilon) vermittelt weitere Tipps.

Wichtig ist es, dem Kind Zeit und Raum zu geben, um seine Fragen zu stellen und seine Empfindungen mitzuteilen. Es kann helfen, auch andere Ausdrucksformen als die Sprache zur Verfügung zu stellen: Farben, Ton, Bastelmaterialien. So kann das Kind seinen Empfindungen Ausdruck verleihen und eine Sprache finden, wo es mit Worten vielleicht überfordert ist. Ausserdem bieten die so entstandenen Dinge einen guten Anlass zum Gespräch.

Bei Jugendlichen gilt das gleiche wie bei Kindern. Hinzu kommt aber, dass Jugendliche bewegende Ereignisse manchmal lieber mit Gleichaltrigen besprechen oder mit Personen, die nicht direkt zur Familie gehören. Man kann sie unterstützen und ermutigen, sich Gesprächspartner zu suchen. Den Jugendlichen ist die Trauer vielleicht weniger gut anzumerken als Kindern, weil sie sich weniger äussern. Der Rückhalt der Familie ist aber auch für sie enorm wichtig. 

Soll ich die/den Verstobene/n anschauen gehen?

Wenn Sie sich dafür entscheiden, den Körper der verstorbenen Person anzuschauen, bitten Sie eine andere Person (Notfallseelsorger oder Bekannte), Sie zu begleiten. Einige Erfahrungen von Betroffenen: Viele Hinterbliebene berichten, dass sie erst durch den Anblick des leblosen Körpers realisiert und verstanden haben, dass die Person unwiderruflich gegangen ist. Erst dieser Moment machte das Geschehene für sie fassbar. Das kann helfen, den Tod zu akzeptieren und zu trauern. Manche Hinterbliebene, die sich nicht persönlich von der verstorbenen Person verabschiedet haben, bereuen dies später. Sie berichten, dass da immer noch ein Zweifel bestand, ob nicht ein Irrtum vorliege und eine andere Person gefunden wurde, und dass diese leise Hoffnung sie letztlich daran gehindert habe, zu trauern und mit dem eigenen Leben weiterzumachen.

Manchmal sind die Körper von Menschen, die sich getötet haben, sehr entstellt. Fragen Sie die zuständigen Personen, was Sie erwartet, bevor Sie sich entscheiden. Meistens wird der Körper so abgedeckt, dass nur unversehrte Körperteile sichtbar sind. Das ist für viele ausreichend, um Abschied zu nehmen. Auch darum können Sie die verantwortliche Person bitten. Lassen Sie sich genügend Zeit und nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie zum Abschiednehmen brauchen. Gerade hier ist es hilfreich, eine vertraute Person bei sich zu haben, die sich nötigenfalls für Sie einsetzen und Sie stützen kann.

Muss ich die Polizei informieren? Warum kommt die Polizei und warum werden mir Fragen gestellt?

Ein Suizid ist ein sogenannter «aussergewöhnlicher Todesfall», zu welchem die Polizei zwingend beigezogen werden muss. Eine Aufgabe der Polizei ist es, einwandfrei sicherzustellen, dass es sich wirklich um einen Suizid und nicht um ein anderes Tötungsdelikt handelt. Das macht es erforderlich, dass die Polizei Informationen sammelt und Ihnen Fragen stellt, auch wenn dies für die Hinterbliebenen oft sehr schwierig und unverständlich ist. Die Polizistinnen und Polizisten wurden darin geschult, behutsam und respektvoll vorzugehen.

Mit wem soll ich sprechen? Sind Suizide Familienangelegenheiten?

Wenn eine Familie durch einen Suizid ein Mitglied verliert, stellt dies die Hinterbliebenen vor viele Probleme. Eine Schwierigkeit besteht oft darin, dass die einzelnen Familienmitglieder unterschiedlich trauern und auch in einem unterschiedlichen Tempo die Geschehnisse verarbeiten. Gerade Kinder können zwischen Trauerphasen und fröhlichen Phasen schnell hin und her wechseln: Das schützt sie vor Überforderung, ist aber für Erwachsene manchmal schwer zu akzeptieren. Die unterschiedlichen Trauerbedürfnisse können zu Unverständnis und Konflikten zwischen den einzelnen Familienmitgliedern führen. Während zum Beispiel der eine Elternteil noch tief in der Trauer steckt, hilft sich der andere damit, aktiv zu werden und Dinge in Angriff zu nehmen.

Es kann helfen, sich Trauerbegleiter und Gesprächspartner ausserhalb der Familie zu suchen. Falls Sie mit jemandem ausserhalb Ihres privaten Umfelds sprechen möchten, finden Sie hier Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen und ähnlichem.  

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