SuizidPrävention - Kanton Zürich

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Das können Sie tun

Gegen die Trauer kann man nicht wie bei einer körperlichen Krankheit ein Medikament schlucken, etwas operieren oder sich einfach schonen und abwarten, bis Genesung eintritt. Trauer ist aktive Arbeit, eben Trauerarbeit. Trauer nach Suizid ist Schwerstarbeit. Jeder Mensch trauert anders. Es ist wichtig, Trauer zuzulassen und das Geschehene aktiv zu verarbeiten. Hier möchten wir aufzeigen, was anderen in Ihrer Situation geholfen hat.

Das Gespräch suchen

Von William Shakespeare stammt das Zitat «Der Kummer, der nicht spricht, nagt am Herzen, bis es bricht.» Gespräche helfen, das Erlebte einzuordnen, die eigenen Gefühle zu reflektieren und neue Perspektiven zu finden. Über den Suizid eines nahen Menschen zu sprechen, ist nicht einfach. Sowohl Hinterbliebene selbst wie auch ihr Umfeld sind nicht selten überfordert oder unsicher, wie sie vorgehen können. Unter «Das Gespräch suchen» finden Sie Hinweise, wie Sie vorgehen können. 

Den Gefühlen und Gedanken Ausdruck verleihen

Die Trauer zulassen, ihr Ausdruck verleihen – sei es über Worte oder auch über andere Kanäle – wirkt für die meisten entlastend, denn damit wird die allenfalls gestauten Trauergefühle nach aussen gelassen. Mögliche Wege neben dem Gespräch sind:

  • Schreiben (an sich selbst oder an die verstorbene Person): «Meine Geschichte mit ...», Gedichte verfassen
  • Malen, Zeichnen, Bildhauen, Tonen und ähnliche kreative Tätigkeiten
  • Musizieren
  • Gartenarbeit, Bewegung in der Natur, Spaziergänge im Wald
  • Tanz
  • Meditation

Dem Trauerprozess Zeit lassen

Trauern braucht bei jeder Person unterschiedlich lange Zeit. Lassen Sie sich von niemandem vorschreiben, wie viel Zeit Sie sich dafür lassen sollen. Versuchen Sie zu akzeptieren, dass Ihre Trauer immer wieder aufflammen kann, auch wenn Sie dachten, dass Sie das Schlimmste hinter sich hätten. Trauerarbeit ist ein ganz normaler menschlicher Prozess. Sehen Sie Trauer nicht als etwas Schlechtes an. Trauer ist Teil eines natürlichen Prozesses, um das Geschehene zu verarbeiten.

Rituale pflegen

Kleine Rituale können helfen und Stabilität geben. Beispiele für Rituale sind:
Regelmässig eine Kerze anzünden, eine Flaschenpost abschicken, einen Baum pflanzen, ein Fotoalbum anlegen, ein Papierschiffchen auf Reisen schicken, Geburtstag und Todestag begehen, einen Traum der verstorbenen Person verwirklichen, ein Musikstück hören, eine Gedenkveranstaltung abhalten, einen „Gedenkplatz“ einrichten, allabendlich der verstorbenen Person vom Tag erzählen, das Grab pflegen, an schöne Erlebnisse denken ...

Die eigenen Ressourcen pflegen

Trauerarbeit ist anstrengend. Achten Sie auf sich, essen sie regelmässig und ausgewogen, treiben Sie Sport und gönnen Sie sich ganz bewusst Erholung. Zu zweit geht vieles einfacher, suchen Sie sich eine Person, die Sie auch dazu motivieren kann, wenn Sie sich gerade in einem Tief befinden.

In der Familie: unterschiedliche Trauerarbeit akzeptieren

Verliert man ein Familienmitglied, ist man mit der eigenen Trauer konfrontiert und will vielleicht auch noch andere Familienangehörige trösten. Das kostet enorm viel Energie und kann auch zu Konflikten führen, weil jedes Familienmitglied in einem andern Tempo und Rhythmus trauert und andere Bedürfnisse hat. Versuchen Sie, offen über die unterschiedlichen Befindlichkeiten und Bedürfnisse zu sprechen und akzeptieren Sie auch, wenn Einzelne dies im Moment noch nicht können. Ansprechpersonen ausserhalb der Familie zu suchen, kann erhebliche und nachhaltige Entlastung bringen. Bei Kindern stellt sich die Frage besonders, was man ihnen über Suizid erzählen soll. Hier ist es gut, bei der Wahrheit zu bleiben. Wenn man anfänglich zu Notlügen greift, kann das später zu Vertrauensverlust führen. Die Broschüre «Den Kindern helfen. Wie Sie Kinder nach einem Suizid unterstützen können» (PDF) für Eltern und andere Betreuungspersonen (Hrsg.: Forum für Suizidprävention und Suizidforschung Zürich & Ipsilon) vermittelt weitere Tipps.

Auf Belastungssymptome achten und bei Bedarf Hilfe holen

Den Suizid einer nahe stehenden Person zu verarbeiten, ist sehr anspruchsvoll. Alle Hinterbliebenen kennen zumindest einzelne der im Folgenden aufgelisteten Belastungssymptome. Wenn diese über lange Zeit anhalten, sich verstärken oder vermehren, kann es zu einer psychischen Erkrankung kommen, weil die Seele zu stark belastet ist. Beobachten Sie darum Ihre Belastungssymptome und holen Sie sich Hilfe im privaten Umfeld oder bei professionellen Beratenden (Adressen), wenn die Symptome über längere Zeit nicht abnehmen, sogar zunehmen oder immer weitere hinzukommen.

Belastungssymptome sind:

  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Ständige Müdigkeit und Energiemangel
  • Reizbarkeit
  • Schwierigkeiten, Entscheide zu treffen
  • Konstante Niedergeschlagenheit
  • Gedanken, die immer um das gleiche Problem kreisen
  • Unruhe und Angstzustände
  • Appetitlosigkeit
  • Diffuse körperliche Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen oder Muskelverspannungen
  • Lustlosigkeit
  • Vermehrter Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln
  • Vernachlässigen von Kontakten, Rückzug

Strategien für den Notfall zur Hand haben

Es geschieht nicht selten, dass eine trauernde Person selbst in eine Lebenskrise gerät und vielleicht sogar Suizidgedanken in ihrem Kopf herumschwirren. Das ist ein deutliches Warnsignal. Behalten Sie diese Gedanken nicht für sich. Suchen Sie sich bei Freunden oder Fachpersonen Hilfe (Adressen). Unter «In der Krise» finden Sie Anregungen, was Sie bei Suizidgedanken tun können. Das Ausfüllen eines Sicherheitsplans kann Ihnen helfen, sich auf eine allfällige Krise vorzubereiten.
Tipps, wie man ein Gespräch über eine persönliche Krise oder Suizidgedanken anfangen könnte, finden Sie hier.

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